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Tischtennis - Volkssport für Senioren?

Ein Beitrag von Martina Nell, verfasst am 22.10.2020, 16:56 Uhr.

Während unsere Kinder -allen voran unsere Söhne und Enkel- in der Regel auf dem Sportplatz dem weiß-schwarzen Leder hinterherjagen, fokussieren unsere Männer und Väter sich häufig lieber auf einen sehr viel kleineren Ball aus Kunststoff.
Ich möchte hier ganz sicher keine Klischees bedienen, aber die Realität ist eine eindeutige Frauenminderheit in bestimmten Sportarten, ob es uns nun gefällt oder nicht.
Selbst als die Damenfußballmannschaft Weltmeister(in) wurde, ging dieser Erfolg in den Nachrichten fast unter. Dabei scheint doch der Run auf die rollenden zweifarbigen Fünfecken der Volkssport der Europäer und eben auch der Deutschen schlechthin zu sein. Aber eben nur, wenn Männer ihn bewegen – warum eigentlich?

Ich schweife ab; in diesem Beitrag geht es nämlich um einen viel leichteren Ball. Auf die Gefahr hin, schon wieder einem Vorurteil zu verfallen, stelle ich nun die These auf, dass die Herren, wenn sie sich zu alt für den anstrengenden Fußball fühlen, zum vermeintlich ruhigeren Amüsement am Tisch wechseln. Richtig, auch ich hasse Verallgemeinerungen, doch Ausnahmen bestätigen selbstredend manchmal die Regel.
Immerhin wage ich zu behaupten, meine These stützt sich auf eine gewisse Sachkenntnis, da ich seit nunmehr vierzehn Jahren aktiv im örtlichen Tischtennisclub spiele. Ich habe es sogar geschafft, von der dritten Reserve auf einen Stammplatz in der hiesigen Herren-Kreisligamannschaft zu avancieren.
Und nicht nur das: Nachdem ich mehr als ein Jahrzehnt lang von meinen fast ausschließlich männlichen Sportsfreunden belächelt wurde, ist mir endlich der Durchbruch gelungen!

Noch vor zwei Jahren hatte ich das here Ziel, wenigstens einmal in der Gesamtbilanz schwarze Zahlen zu erreichen. Es schien eine hoffnungslose Illusion. Wenn Zwei miteinander spielen, kann logischerweise nur Einer gewinnen. Wer sich mit dem Verlieren schwer tut, sollte gar nicht erst antreten. Letztendlich geht es darum, sich einfach mit anderen zu messen, als immer mit denselben Vereinskameraden. Auf der Kreisebene ist es für alle ein schönes Hobby. Und der Lerneffekt ist sowieso am größten bei besseren Gegnern. Trotzdem macht gewinnen natürlich mehr Spaß und ein bisschen Ehrgeiz finde ich auch ganz nett.

Als ich einen Trainer einmal bat, mir doch ein paar Tipps mit der Noppe zu zeigen, musst eich mir anhören: „ Das lohnt sich nicht.“
Beitrag zahlen und mit den Freizeitsportlern Ü60 an der Platte herumdödeln darf Jede(r), aber bitte nicht den Anspruch haben, etwas erreichen zu wollen. Den Jungen war ich zu alt, um mit mir ihre Zeit zu vergeuden, und die Alten verschanzten sich hochmütig hinter ihrer jahrzehntelangen Erfahrung.
Kurz, ich hatte es endgültig satt, als einziges weibliches Reserveanhängsel geduldet zu werden. Also kaufte ich mir eine Ballmaschine und trainierte zu Hause. Das funktioniert sogar, wenn beim Lock-Down die Turnhallen geschlossen sind...
Übrigens: Das ist eine technische Erfindung, die anstelle eines lebenden Wesens das runde Plastik zuspielt. Sie hat zwei entscheidende Vorteile: Zum Einen darf frau sich so unabhängig zu jeder Tageszeit und ohne Fahrwege nach Herzenslust austoben. Zum Anderen kann man dem Apparat erklären, ob er Vorhand, Rückhand, Unterschnitt, Überschnitt oder alles im Wechsel anspielen soll. Auf diese Art lassen sich gezielt die Schwachstellen üben, ohne Mitmenschen mit denselben Fehlern langweilen zu müssen.

Steter Tropfen höhlt den Stein und plötzlich wurde ich für würdig befunden , doch etwas gezeigt zu bekommen. Der Erfolg stellte sich tatsächlich ein. Ich gewinne mittlerweile mehr als ich verliere; auf der untersten Kreisebene zwar, aber immerhin.
Fazit: Auch als Frau Ü50 kann man sich bei den männlichen Zeitgenossen in einem typischen Herrensport Respekt verschaffen. Beim Tennis haben die Damen das schließlich auch geschafft.

Zu Zeiten, als es noch keine Pandemie gab, war ich beruflich viel auf Mittelaltermärkten unterwegs. Dadurch entstanden notgedrungen manchmal wochenlange Trainingspausen. Um das zu verhindern, habe ich vor zwei Jahren Tischtennisvereine im Harz, am Rhein und an der Ostsee kontaktiert. Sie waren so freundlich, mich gastweise während meiner Tourneen mitspielen zu lassen.
Meine Erfahrungen wurden bestätigt: Es gibt einige richtig gute Frauen im Tischtennis, aber die Masse sind Männer. Bei den Jugendlichen scheint der kleine Ball ein Comeback zu feiern, doch die meisten Aktiven sind zwischen 40 und 80 Jahren.
Vor allem durfte ich feststellen, dass so ziemlich jedes Dorf mit einer Turnhalle auch einen örtlichen Tischtennisclub hat. Es ist und bleibt ein Volkssport, der sich mit denkbar einfachen Mitteln auch bis ins hohe Alter praktizieren lässt. Vielleicht macht es mir deshalb so viel Freude.

Und wer nun denkt, lass‘ die Alten ‘mal gemütlich hinter der Platte stehen und ein paar Bälle hin- und hertrallern, der hat noch nie ernsthaft ein Doppel gespielt. Tischtennis ist eine Ausdauersportart und mit enorm viel Bewegung verbunden – vorausgesetzt man oder frau lässt sich darauf ein. Ich kann nur sagen: Viel Spaß dabei!

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